Transhumanz

Transhumanz – eine jahrtausendalte Reise

Der Schafübertrieb, oder auch Transhumanz genannt, vom Südtiroler Schnalstal ins Nordtiroler Ötztal ist eine der beeindruckendsten und lebendigsten Traditionen des Europäischen Kulturraumes und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Bauern führen ihn auch heute noch unverändert wie seit Jahrhunderten durch. Die Verbundenheit der Hirten zu dieser uralten Tradition ist bemerkenswert. Diese Wanderung gilt als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über einen Gletscher führt. Dabei werden nicht nur klimatische, sondern auch Ländergrenzen überschritten.

Schon seit jeher gaben die trockenen Vinschger Weiden zuwenig Futter ab, sodass der beschwerliche Weg über die hochalpinen Jöcher zu den Weiden im Innerötztal gewagt wurde. Früher wurden Schafe hauptsächlich wegen der begehrten Wolle gezüchtet. Heute stehen Fleischgewinnung und die Zucht im Vordergrund der Schafbauern.

Jedes Jahr im Juni kommen die verschiedenen Hirten mit ihren Schafen aus dem Vinschgau und Schnalstal zusammen und ziehen gemeinsam über das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m). Das Ziel sind die Südtiroler Almgründe im Venter Tal in Österreich, welche den Schnalser Bauern gehören. Der Übertrieb beginnt in Kurzras, am Ende des Schnalstals gelegen. Die Schafherde mit bis zu 1.500 Schafen startet in 4 Gruppen um ca. fünf Uhr morgens, wandert bis zur Hütte „Schöne Aussicht (2845m)“ und steigt dann zu den  Ötztaler Almgründen ab. Insgesamt legen Mensch, Vieh und Hund 44 Kilometer in einem 2-Tages-Marsch zurück. Im Herbst werden die Tiere gestärkt von den saftigen Hochweiden wieder in die Täler nach Südtirol zurückgetrieben.

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